Mary Wollstonecraft Shelley – Frankenstein

Die Geschichte erzählt von dem Gelehrten Frankenstein, der das Geheimnis des Lebens lüftet und ein Monster schafft. Diese Tat stürzt ihn in tiefe Depression und er vernachlässigt seine Pflichten gegenüber seiner Schöpfung. Jedoch holt ihn seine Verantwortung schnell wieder ein. Er muss also nicht nur sein Monster besänftigen, sondern auch noch seinen inneren Schweinehund bekämpfen.

Shelley erzählt ihre Geschichte immer aus der Ich-Perspektive in Form von Erzählungen (sowohl mündlich als auch in Briefform). Dabei wechselt sie stätig den Erzähler, sodass die einzelnen Verläufe immer aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erläutert werden. So schafft sie eine hochmoralische aber graue Welt.
Shelley hat ein Talent in wenigen Sätzen jeden Charakter mit Leben zu füllen. Oft schweift sie, aber deswegen auch in Nebenhandlungen ab.
Emotionen, Gedanken und Motivationen werden sehr bildlich dargestellt. Briefe und die beschriebene Umgebung spiegeln diese gleichzeitig wieder, sodass man sich leicht in die passende Stimmung begibt. Die Gefühle der Depression und der Trauer werden sehr gut erzählt und ich konnte mich gut mit den einzelnen Figuren, vor allem Frankenstein, identifizieren.

Leider lässt sich das Buch nur sehr schwer lesen. Während die ersten Briefe sich hervorragend lesen ließen, fiel mir die Erläuterung Frankensteins recht schwer. Shelley versucht eine besonders hochgestochene Sprache für den hochgelehrten zu verwenden. Ergebnis sind sehr lange Sätze, die den Lesefluss verlangsamen.
Auch der Charakter von Frankensteins Monster warm mir zu unglaubwürdig. Er besitzt zwar schöne Züge und ist durch seine Vergangenheit ein wunderbar gestaltete charakterliche Figur, aber er kommt viel zu eloquent, intelligent und gebildet herüber für ein Wesen, dass nur wenige Jahre alt ist und von Menschen gemacht. In vieler Hinsicht weißt der Charakter Lücken auf.
Am Ende erzählt Shelley vier ineinander verschachtelte Geschichten. Das war mir auch an einigen Stellen zu viel, vor allem weil keine vorangehende zu Genüge aufgelöst wird.

Ich wollte die Geschichte eigentlich mögen, aber konnte es nicht so recht. Vielleicht hat sie früher den Zeitgeist getroffen oder war revolutionär, heute muss sie sich mit vielen Geschichten vergleichen. Mehr als 2/5 Punkten war nicht drin.

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