Thomas Harris – Roter Drache

Will Graham war im Frühruhestand und baute Schiffe, als ihn sein alter Chef wieder auf die Jagd nach einem Psychopaten schickt. Schon zwei Morde an ganzen Familien hat er begangen. Doch auch Will hat bereits zwei Psychopaten gestellt, jedoch nicht ohne körperliche und geistige Narben.

Thomas Harris schafft einen originellen, spannenden Thriller. Viele gelungene Dialoge, die aber nicht in unübersichtlichem Ping-Pong enden, erzählen die Geschichte in einem guten Tempo. Das Buch ließt sich leicht und gut.

Mit dem roten Drachen (alias die Zahnschwuchtel) schafft Harris einen so abartigen, aber auch mitleiderregenden Charakter, wie ich ihn nur selten gesehen habe. In Alltagssituationen und Rückblenden wird er sehr greifbar und lebendig geschildert.

Will Graham ist ein interessanter Charakter mit Geschichte und Traumen, leider gönnt ihm Harris nicht so viel persönlichen Raum. Aus seiner Vergangenheit erfährt man über Dialoge und seinen Charakter durch seine Art zu ermitteln. Nur wenige echt schöne liebevolle Szenen mit seiner Familie, machen ihn zu einem Menschen. Mir fiel es so schwer mich in ihn hineinzuversetzen. Die auktoriale Erzählweise trägt nicht gerade dazu bei.
Das Buch fokussiert sich auf die Ermittlungen und den Serienmörder.

Harris schafft sehr gut gelungene Szenen mit Gefühl zwischen viel Ermittlungsgerede. Diese werten das Buch ungemein auf.

Es ist ein guter Thriller, konnte mich aber nicht überzeugen. Ich vergebe 3/5 Punkten.

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Frank O. Rudkoffsky – Dezemberfieber

Bastian fliegt kurz nach dem Tod seines Vaters nach Thailand mit seiner Freundin um Weihnachten in den Tropen zu verbringen. Doch kann er seit Wochen nicht schlafen, der Tod seines Vaters, der längst vergangene Tod seiner Mutter und ihre Krankheit nagen an Bastian. Er muss damit fertig werden bevor er sich selbst zerstört.

Die Geschichte wird in drei Ebenen erzählt. Aus der Sicht von Bastian während seinem Urlaub, in Bastians Kindheitserinnerungen und in dem Brieftagebuch der Eltern. Rudkoffsky trennt diese Ebenen und lässt sie mit einem sehr guten Timing in einander übergehen. Jede Ebene erklärt die andere, verrät aber nie zu viel um nicht bis zum Ende gespannt zu bleiben.

Die Sprache ist sehr bildhaft. Manchmal erinnert sie an eine Reisekomödie. Sie lockert das Lesen auf und macht die Lektüre trotz schwerer Themen nicht zu schwer. Es lässt sich streiten, ob das immer angemessen ist, mir persönlich hat es gefallen.

Ein paar kleine Kritikpunkte habe ich trotzdem gefunden. Mit Sex zu beginnen ist bei mir angeeckt. Hinzu kommt, dass die Urlaubsebene in Präsens geschrieben wird, ich empfand das als unnötig und Lesefluss störend. Ein paar Stilbrüche im hinteren Teil habe ich nicht verstanden. Das sind aber nur sehr kleine Makel im Vergleich zu der Güte des Buches.

Das beste Buch das ich seit langer Zeit gelesen habe. Wohlkonzipiert, recherchiert und einfach gut geschrieben. Es gibt von mir 5/5 Punkten.

Tim McBain und L.T.Vargus – Casting Shadows everywhere

Jake ist ein normaler Junge auf der High School, der sich von den stärkeren
mobben lässt und ein ängstliches Naturell hat. Sein Cousin Nick ist völlig anders. Er lebt nach den Gedanken,
dass man sich alles nehmen kann, solange man nicht erwischt wird. Nick zeigt Jake seine Welt und der vaterlose Jake nimmt sich
Nick zum Vorbild.
Mit Nick gerät auf die kriminelle Bahn, während er in der Schule weiter ein normales Leben führt. Er findet eine Freundin und
redet mit seinem authistischen Freund. Er wehrt sich gegen seine Mobber und erfährt mit jedem Tag, dass alle Kinder Probleme haben.
Eines Tages lernt er die dunkle Seite von Nick kennen und mit ihr auch seine eigene. Er muss sein neues Weltbild von Grund auf ändern.

Die Geschichte zeigt einen einmaligen Blick auf die Welt durch Augen,
die noch einen Funken von Unschuld aufweisen, aber dabei sind die Welt aus der Sicht eines Erwachsenen zu betrachten.
Jedes Kapitel gibt neue Denkanstöße. Die Sprache ist jung und dynamisch und versetzt einen gut in die Geschichte. Das Ende ist spannend und eine gute Auflösung der Geschichte.

Die Sprache ist ziemlich gewalttätig und die Themen schwer. Es wird erst spät in der Geschichte klar worauf sie hinaus will und es werden sehr viele Themen angeschnitten.
Diese Themen werden nur kurz aufgeworfen und nie aufgelöst, so dass sich oft die Frage stellt wieso sie angeschnitten wurden.

Das Buch ist für Jugendliche ab 14 Jahren in erster Linie, aber auch für Erwachsene, die nichts gegen düstere Geschichten haben geeignet. Es gibt keine deutsche Übersetzung, aber das Englisch ist nicht besonders schwer.
Ich kann das Buch auch als Leseempfehlung für den Englischunterricht geben.

Das Buch bekommt von mir 4/5 Punkten.