Brandon Sanderson – Der Weg der Könige (Sturmlichtchroniken #1)

Bei dieser Rezension warne ich schon einmal vor. Ich habe das Buch auf Englisch gelesen. Im Deutschen (wie bei dicken Schinken üblich) sind das schon zwei Bücher. Das zweite heißt „Der Pfad der Winde“

Die Welt steht im Krieg. Die Menschen kämpfen auf den Zersplitterten Feldern (Shattered Planes) gegen die Parschmänner (parshmen). Während die einen Gegner sind, sind die anderen Sklaven, die bedingungslos arbeiten. Nur nachts ruht alles, denn der Hochsturm zieht auf. Kein Mensch geht noch vor die Tür, denn er wird es vermutlich nicht überleben. Während der Sturm ein Fluch für die meisten ist, können einige Menschen sich die Kräfte des Sturms eigen machen. Die einen beschwören mächtige Schwerter und widerum andere manipulieren die Schwerkraft. Das Sturmlicht macht es möglich.

Wir verfolgen in dem Buch verschiedene Schicksale. Dalinar, Shallan, Kaladin, Setz und Wit können kaum unterschiedlicher sein. Sie haben mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Doch Krieg schweißt zusammen und so verknüpft Sanderson dezent sie einzelnen Schicksale immer mehr.
Dalinar der Heerführer muss die ganzen Angriffe kalkulieren und gleichzeitig seine Loyalität beweisen und sich dem Ränkespiel der anderen Generäle erwehren. Das wäre nicht so schwer, wenn er nachts schlafen könnte, doch Visionen plagen ihn.
Shallan studiert um ihre Lehrerin zu bestehlen, doch sie findet Gefallen am Wissen und ihre Intentionen schwächen sich.
Kaladin wird versklavt und muss fortan als Brückenmann an vorderster Front kämpfen. Er spielt sich zum Anführer auf und gewinnt nicht nur den Respekt seiner Truppe.

Brandon Sanderson ist ein Meister der Welten. Auch in den Sturmlichtchroniken schafft er eine Welt, die einmalig und in sich völlig stimmig wirkt. Sie besitzt eine tief verwurzelte Vergangenheit, Götter, eine einzigartige (aber schlüssige) Magie und spannende Schauplätze. So sind die Zersplitterten Felder eine der spannendsten Kriegsschauplätze, von denen ich in letzter Zeit gelesen habe. Der Kampf über unendlich viele Gräben mit transportablen Brücken ist einfach faszinierend. Die Kämpfe aus Sicht der Brückenmänner, die wehrlos an der Front kämpfen, ergänzen das gut umschriebene blutige Gemetzel mit einem jungen frischen Wind.
Trotz seiner reichlichen Kampfszenen treten die Charaktere an keiner Stelle zu kurz. Sie sind wohl überlegt, haben eine gut durchdachte Vergangenheit und eigene innere Konflikte, die nicht vernachlässigt werden.

Wer andere Sanderson gelesen hat, wird aber schnell merken, dass sie Charaktere stereotyper, als andere sind. Das wertet die Geschichte in keinster Weise ab. Es macht sie nur etwas berechenbarer, was den dicken Schinken, aber auch lesbar macht.
Auf tausend Seiten werden drei Schicksale mit der Vergangenheit der Welt verwoben, Intrigen gesponnen und viel erklärt. Dass die Charaktere nicht zu schwer sind, nimmt dem Werk zumindest etwas Komplexität.

Das ist auch das größte Problem mit diesem Buch. Es ist sehr episch und nicht einfach nebenher verschlungen. Neben den wunderschönen Schauplätzen, gut umrissen Schlachten und tollen Charakteren, hat er eine Welt geschaffen mit sehr vielen eigenen Konflikten, die er alle in diesem Band angefangen hat aufzulösen. Wer mitkommen möchte, darf das Buch nicht länger zur Seite legen, denn im ersten Band passiert sehr viel.

Aber wie Sanderson die Komplexität vermittelt, ist ein Lob wert. Er wechselt die Charaktere genau zu den richtigen Zeitpunkten. Die einzelnen getrennten Geschichten ergänzen sich in ihrem Inhalt für die Welt perfekt. Während man in einigen Romanen dem Auftauchen seines Lieblingscharakters entgegensehnt (Mir ging es zum Beispiel bei Martins „Lied von Eis und Feuer“ so) und vielleicht sogar einen Charakter dazwischen überfliegt oder auslässt, kann Sanderson alle Charaktere gleich gut entwickeln.

Sprachlich überzeugt das Buch durch Sandersons Art mit Wörtern umzugehen und ihnen den ernst zu nehmen. Ich kann nicht einschätzen, in wie weit das in der Übersetzung herüber kommt. In Sandersons lockerer Art machen, werden auch komplexe Inhalte gut vermittelt. Für den Lesefluss passiert zu viel. Oft muss man zurück denken. Wie war das noch gleich? Dafür ist die Geschichte gut geführt (ich mein den roten Faden) und man kommt auch nach solchen Momenten zügig wieder ins Geschehen.

Am Ende kommt er auf einen guten gemeinsamen Nenner und ich freue mich darauf den zweiten Band zu lesen. Sanderson schafft mit diesem Buch einen grandiosen Spagat zwischen Stimmung und Epik. Das Buch hat seine Schwächen, aber diese kaschiert Sanderson sehr gut. Es sind noch 4/5 Punkte, aber es schrammt ganz nah an der 5/5.

Das war eine schwere Rezension, da das Buch so unglaublich viele Fasetten hat. Wenn irgend etwas unklar ist, fragt ruhig nochmal nach!

Das Zeichen (Kushiel 1)

geschrieben von Jaqueline Carey

gesprochen von Elena Wilms

Phèdre wurde von ihren Eltern verkauft an ein Hurenhaus. Dort wird sie in die Künste des Sex unterwiesen, während sie ihr eigenes Leben zurück zu kaufen versucht. Ihre Schuld ( in dem Buch eine Mark, die als Tätowierung) wird von Anaphiel gekauft, der ein ungewöhnliches Mal in ihr erkennt. Sie trägt das Zeichen Kushiels, welches sie Lust bei Schmerzen empfinden lässt. Doch Anaphiel hat großes mit Phèdre vor. Er lehrt sie das selbstständige Denken und Spionieren. Bald schon findet Phèdre sich in den Intrigen des Königreichs wieder. Sie zieht ihren besten Freund aus Kindertagen und ihren Leibwächter mit hinein.

Das Buch ist sehr gut besprochen und geschrieben. Es lässt sich sehr gut hören und fesselt einen bis zur letzten Minute. Die Intrigen sind sehr gut ausgearbeitet. Bis zum Schluss ist nicht hundertprozentig klar was läuft. Die Sicht aus Phèdres Augen ist unglaublich gut gewählt, da man mit ihr alles aufdecken muss.

Die Charaktere sind komplex und gut getroffen. Leider sind sie auch oft sehr undurchsichtig. Natürlich hält das auch die Intrigen aufrecht, lässt aber auch wärmere Charaktere kalt erscheinen. Dies liegt auch daran das sehr viele Charaktere nur flüchtig eingeführt werden. Die Vielzahl an Namen kann hin und wieder erschlagend sein.

Das beste an dem Buch, weshalb es 4 Punkte verdient hat, ist der Einbau von Sex. Er steht nicht im Vordergrund der Geschichte ist aber als Hauptaspekt der Geschichte gut eingebaut. Es wurde genau das richtige Maß zwischen Erotik und Geschichte gewählt.
Sex ist in dem Buch ein Beruf. Dieser liegt im harten Kontrast mit der Liebe, die Phèdre zu ihren Freunden empfindet. Dieser Konflikt zieht sich durch das ganze Buch.

Ein weiterer schöner Teil ist die kleine Odyssee durch die Welt, die die zum Teil ermüdenden politischen Ränke aufhellen. Die Welt ist mit einer gewissen Ähnlichkeit zu unserer gekennzeichnet, die aber mit reichlichen fantastischen Elementen verziert. Ich fand sie sehr schön.

Das Buch bekommt von mir 4/5 Punkten.