Thomas Harris – Roter Drache

Will Graham war im Frühruhestand und baute Schiffe, als ihn sein alter Chef wieder auf die Jagd nach einem Psychopaten schickt. Schon zwei Morde an ganzen Familien hat er begangen. Doch auch Will hat bereits zwei Psychopaten gestellt, jedoch nicht ohne körperliche und geistige Narben.

Thomas Harris schafft einen originellen, spannenden Thriller. Viele gelungene Dialoge, die aber nicht in unübersichtlichem Ping-Pong enden, erzählen die Geschichte in einem guten Tempo. Das Buch ließt sich leicht und gut.

Mit dem roten Drachen (alias die Zahnschwuchtel) schafft Harris einen so abartigen, aber auch mitleiderregenden Charakter, wie ich ihn nur selten gesehen habe. In Alltagssituationen und Rückblenden wird er sehr greifbar und lebendig geschildert.

Will Graham ist ein interessanter Charakter mit Geschichte und Traumen, leider gönnt ihm Harris nicht so viel persönlichen Raum. Aus seiner Vergangenheit erfährt man über Dialoge und seinen Charakter durch seine Art zu ermitteln. Nur wenige echt schöne liebevolle Szenen mit seiner Familie, machen ihn zu einem Menschen. Mir fiel es so schwer mich in ihn hineinzuversetzen. Die auktoriale Erzählweise trägt nicht gerade dazu bei.
Das Buch fokussiert sich auf die Ermittlungen und den Serienmörder.

Harris schafft sehr gut gelungene Szenen mit Gefühl zwischen viel Ermittlungsgerede. Diese werten das Buch ungemein auf.

Es ist ein guter Thriller, konnte mich aber nicht überzeugen. Ich vergebe 3/5 Punkten.

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Brandon Sanderson – Der Weg der Könige (Sturmlichtchroniken #1)

Bei dieser Rezension warne ich schon einmal vor. Ich habe das Buch auf Englisch gelesen. Im Deutschen (wie bei dicken Schinken üblich) sind das schon zwei Bücher. Das zweite heißt „Der Pfad der Winde“

Die Welt steht im Krieg. Die Menschen kämpfen auf den Zersplitterten Feldern (Shattered Planes) gegen die Parschmänner (parshmen). Während die einen Gegner sind, sind die anderen Sklaven, die bedingungslos arbeiten. Nur nachts ruht alles, denn der Hochsturm zieht auf. Kein Mensch geht noch vor die Tür, denn er wird es vermutlich nicht überleben. Während der Sturm ein Fluch für die meisten ist, können einige Menschen sich die Kräfte des Sturms eigen machen. Die einen beschwören mächtige Schwerter und widerum andere manipulieren die Schwerkraft. Das Sturmlicht macht es möglich.

Wir verfolgen in dem Buch verschiedene Schicksale. Dalinar, Shallan, Kaladin, Setz und Wit können kaum unterschiedlicher sein. Sie haben mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen. Doch Krieg schweißt zusammen und so verknüpft Sanderson dezent sie einzelnen Schicksale immer mehr.
Dalinar der Heerführer muss die ganzen Angriffe kalkulieren und gleichzeitig seine Loyalität beweisen und sich dem Ränkespiel der anderen Generäle erwehren. Das wäre nicht so schwer, wenn er nachts schlafen könnte, doch Visionen plagen ihn.
Shallan studiert um ihre Lehrerin zu bestehlen, doch sie findet Gefallen am Wissen und ihre Intentionen schwächen sich.
Kaladin wird versklavt und muss fortan als Brückenmann an vorderster Front kämpfen. Er spielt sich zum Anführer auf und gewinnt nicht nur den Respekt seiner Truppe.

Brandon Sanderson ist ein Meister der Welten. Auch in den Sturmlichtchroniken schafft er eine Welt, die einmalig und in sich völlig stimmig wirkt. Sie besitzt eine tief verwurzelte Vergangenheit, Götter, eine einzigartige (aber schlüssige) Magie und spannende Schauplätze. So sind die Zersplitterten Felder eine der spannendsten Kriegsschauplätze, von denen ich in letzter Zeit gelesen habe. Der Kampf über unendlich viele Gräben mit transportablen Brücken ist einfach faszinierend. Die Kämpfe aus Sicht der Brückenmänner, die wehrlos an der Front kämpfen, ergänzen das gut umschriebene blutige Gemetzel mit einem jungen frischen Wind.
Trotz seiner reichlichen Kampfszenen treten die Charaktere an keiner Stelle zu kurz. Sie sind wohl überlegt, haben eine gut durchdachte Vergangenheit und eigene innere Konflikte, die nicht vernachlässigt werden.

Wer andere Sanderson gelesen hat, wird aber schnell merken, dass sie Charaktere stereotyper, als andere sind. Das wertet die Geschichte in keinster Weise ab. Es macht sie nur etwas berechenbarer, was den dicken Schinken, aber auch lesbar macht.
Auf tausend Seiten werden drei Schicksale mit der Vergangenheit der Welt verwoben, Intrigen gesponnen und viel erklärt. Dass die Charaktere nicht zu schwer sind, nimmt dem Werk zumindest etwas Komplexität.

Das ist auch das größte Problem mit diesem Buch. Es ist sehr episch und nicht einfach nebenher verschlungen. Neben den wunderschönen Schauplätzen, gut umrissen Schlachten und tollen Charakteren, hat er eine Welt geschaffen mit sehr vielen eigenen Konflikten, die er alle in diesem Band angefangen hat aufzulösen. Wer mitkommen möchte, darf das Buch nicht länger zur Seite legen, denn im ersten Band passiert sehr viel.

Aber wie Sanderson die Komplexität vermittelt, ist ein Lob wert. Er wechselt die Charaktere genau zu den richtigen Zeitpunkten. Die einzelnen getrennten Geschichten ergänzen sich in ihrem Inhalt für die Welt perfekt. Während man in einigen Romanen dem Auftauchen seines Lieblingscharakters entgegensehnt (Mir ging es zum Beispiel bei Martins „Lied von Eis und Feuer“ so) und vielleicht sogar einen Charakter dazwischen überfliegt oder auslässt, kann Sanderson alle Charaktere gleich gut entwickeln.

Sprachlich überzeugt das Buch durch Sandersons Art mit Wörtern umzugehen und ihnen den ernst zu nehmen. Ich kann nicht einschätzen, in wie weit das in der Übersetzung herüber kommt. In Sandersons lockerer Art machen, werden auch komplexe Inhalte gut vermittelt. Für den Lesefluss passiert zu viel. Oft muss man zurück denken. Wie war das noch gleich? Dafür ist die Geschichte gut geführt (ich mein den roten Faden) und man kommt auch nach solchen Momenten zügig wieder ins Geschehen.

Am Ende kommt er auf einen guten gemeinsamen Nenner und ich freue mich darauf den zweiten Band zu lesen. Sanderson schafft mit diesem Buch einen grandiosen Spagat zwischen Stimmung und Epik. Das Buch hat seine Schwächen, aber diese kaschiert Sanderson sehr gut. Es sind noch 4/5 Punkte, aber es schrammt ganz nah an der 5/5.

Das war eine schwere Rezension, da das Buch so unglaublich viele Fasetten hat. Wenn irgend etwas unklar ist, fragt ruhig nochmal nach!

Kurzgeschichte am Freitag #1

Eine kleine Idee von mir. Ich schreibe ja reichlich. Um neben den Rezensionen für andere Bücher Werbung für mich und meine Seite zu machen, poste ich jeden Freitag eine andere Kurzgeschichte von mir. Das sind Videos aus meinem You-Tube Kanal in denen ich sie vorlese. Heute „Daheim zwischen Wände“.

Der Text zu dieser Kurzgeschichte ist auf meiner Webseite nachzulesen. Mit der Übung werde ich wohl auch besser im Vorlesen (und natürlich schreiben) ^^. Ich hoffe die Kurzgeschichten gefallen euch und das die Kurzgeschichte am Freitag sich als Rubrik bei mir auf dem Blog etablieren kann.

Stephen King – Colorado Kid

Auf das Buch bin ich gestoßen als ich die Serie „Haven“ im Fernsehen sah. Diese hat aber absolut nichts damit zu tun (obwohl sie darauf basieren soll).

Dave und Vince zwei alte Journalisten des „Weekly Isländers“ erzählen der Praktikantin Stephanie von dem mysteriösen Fund einer Leiche am Strand, der bis zu dem Zeitpunkt nicht aufgeklärt wurden. Diese Geschichte (oder Nicht-Geschichte) halten die beiden Herren unter Verschluss, da Menschen keine offenen Geschichten mögen. Sie erzählen wie ihre Nachforschungen mehr Fragen aufgeworfen haben als geklärt und was es mit der Leiche auf sich hat.

Als typischer Stephen King ist das Buch grundsolide erzählt und spannend geschrieben. Bis zum Schluss möchte man gerne wissen wie es ausgeht, was auch bis dahin nicht klar wird. Das Ende ist meiner Meinung nach etwas unbefriedigend. Die Geschichte an sich ist eigentlich nicht besonders interessant. Es geht einfach nur um einen toten Mann und Journalismus. Der Tote hatte im Grunde einfach Pech. Es ist weder eine Gewalttat noch eine Intrige im Spiel. In gewisser Weise macht es die Geschichte besonders.

Mit seinen 150 Seiten nimmt sich dieser Roman nicht die Zeit die Charaktere in besonderer Tiefe zu beleuchten. Es ist ein leichtes Buch für ein bis zwei Abende. Es gehört nicht zu den besten Stephen King, aber zu einer Stephen King Sammlung dazu.

Das Buch bekommt von mir 3/5 Punkten.

Tim McBain und L.T.Vargus – Casting Shadows everywhere

Jake ist ein normaler Junge auf der High School, der sich von den stärkeren
mobben lässt und ein ängstliches Naturell hat. Sein Cousin Nick ist völlig anders. Er lebt nach den Gedanken,
dass man sich alles nehmen kann, solange man nicht erwischt wird. Nick zeigt Jake seine Welt und der vaterlose Jake nimmt sich
Nick zum Vorbild.
Mit Nick gerät auf die kriminelle Bahn, während er in der Schule weiter ein normales Leben führt. Er findet eine Freundin und
redet mit seinem authistischen Freund. Er wehrt sich gegen seine Mobber und erfährt mit jedem Tag, dass alle Kinder Probleme haben.
Eines Tages lernt er die dunkle Seite von Nick kennen und mit ihr auch seine eigene. Er muss sein neues Weltbild von Grund auf ändern.

Die Geschichte zeigt einen einmaligen Blick auf die Welt durch Augen,
die noch einen Funken von Unschuld aufweisen, aber dabei sind die Welt aus der Sicht eines Erwachsenen zu betrachten.
Jedes Kapitel gibt neue Denkanstöße. Die Sprache ist jung und dynamisch und versetzt einen gut in die Geschichte. Das Ende ist spannend und eine gute Auflösung der Geschichte.

Die Sprache ist ziemlich gewalttätig und die Themen schwer. Es wird erst spät in der Geschichte klar worauf sie hinaus will und es werden sehr viele Themen angeschnitten.
Diese Themen werden nur kurz aufgeworfen und nie aufgelöst, so dass sich oft die Frage stellt wieso sie angeschnitten wurden.

Das Buch ist für Jugendliche ab 14 Jahren in erster Linie, aber auch für Erwachsene, die nichts gegen düstere Geschichten haben geeignet. Es gibt keine deutsche Übersetzung, aber das Englisch ist nicht besonders schwer.
Ich kann das Buch auch als Leseempfehlung für den Englischunterricht geben.

Das Buch bekommt von mir 4/5 Punkten.